Wir sind Papst! Wir sind Fußball! Wir sind Deutschland!
Diese und noch viele andere Identitäten wurden uns in den letzten Monaten immer wieder auferlegt. Irgendwann wussten wir selber nicht mehr, wer wir nun eigentlich sind. Und nun auch noch „Wir sind WM“ ?

Angefangen hat es alles mit der Initiative „Du bist Deutschland„, die von September 2005 bis Januar 2006 mit Fernseh- und Plakat-Werbung auf sich aufmerksam gemacht hat. Beteiligt an dieser Initiative waren 25 der führenden deutschen Medienunternehmen unter der Koordination der Bertelsmann AG.
Ziel der Aktion war es, eine neue Aufbruchsstimmung und mehr Vertrauen in uns selbst und unser Land zu verbreiten.
Die Aktion wurde jedoch während der Ausführung oft belächelt und auch durch diverse „Du bist …“ oder eben „Wir sind …“ Varianten etwas durch den Kakao gezogen und hat dadurch ihr Ziel nicht wirklich erreicht.

Aber was ist es, was zur Zeit in Deutschland passiert?
Zum einen ist es schlichtweg die Durchführung der 18. Fußball-Weltmeisterschaft.
Viel mehr muss die Frage lauten: Was passiert zur Zeit mit den Deutschen?

Durch die positive Leistung der deutschen Nationalmannschaft geht eine Welle der Euphorie durch die Nation, wie sie es seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Außerdem sieht man im Moment mehr Deutschland-Fahnen als jemals zuvor, an Autos, Häusern, Fahrrädern und Menschen.
Die Deutschen sind endlich wieder stolz deutsch zu sein und schämen sich ihrer Herkunft nicht. Und unsere „Gäste“ nehmen es uns nicht mal übel, trotz unserer Vergangenheit. Immerhin liegt diese nun schon mehr als 60 Jahre und zwei Generationen-Wechsel zurück. Vergessen ist sie mit Sicherheit nicht, aber langsam verliert sie ihren Einfluss auf die Gegenwart und die Zukunft.

Aber wir wären nicht Deutschland, wenn es nicht Leute geben würde, die in dieser, teils übertriebenen Euphorie sofort wieder die Gefahr sehen würden, dass unsere Vergangenheit sich wiederholen könnte. Von übertriebenem Patriotismus, der schnell in Nationalismus umschlagen kann, wie es vor 70 Jahren geschehen ist, ist die Rede.

Aber seien wir mal ehrlich. Die Vergangenheit unserer „Gäste“ ist zum großen Teil auch nicht ohne Fehl und Tadel und die Vergangenheit ist immer noch dazu da, um aus ihr zu lernen und Fehler die geschehen sind, in Zukunft zu vermeiden. Also genießen wir das neue Gefühl der Deutschen, dass sie sich ihres Landes nicht mehr schämen müssen und drücken unseren National-Spielern die Daumen, dass sie es bis ganz nach oben schaffen.

Unsere „Gäste“ fühlen sich jedenfalls sehr wohl bei uns und sind überrascht von der Gast-Freundschaft und der Fröhlichkeit der Deutschen.
„Die Welt zu Gast bei Freunden“ eben.